Text aus Tafel 3:
"Der Luitpoldsprudel - Heilendes Wasser der Eiszeit"


Ursprung und Wanderwege
Das Wasser in den tiefen Schichten des Zechsteins ist etwa 10.000 Jahre alt. Das bedeutet, dass man heute den aufgetauten Schnee und das Eis der Rhön aus der "Würm"-Eiszeit“ am Luitpoldsprudel fördert.
Das kalte, in den Untergrund versickerte Wasser wanderte langsam über Störungen und Klüfte vom Rand der Ostrhön in Richtung des Fränkischen Beckens.
Je tiefer man im Fränkischen Becken bohrt, umso älter wird das Wasser und umso weiter entfernt liegt sein Ursprungsgebiet. Tiefe, Alter und die zurückgelegte Strecke des „wandernden“ Wassers stehen also in direkter Verbindung.
Die Durchlässigkeit der Gesteinsverbände verringert sich im allgemeinen nach unten, so dass das Alter des Wassers überproportional zur Tiefe hin zunimmt.
Die blau markierten Fließwege des Grundwassers in der Abbildung oben verdeutlichen diese Zusammenhänge. Dabei stellen große Pfeile Bereiche mit höherer Fließgeschwindigkeit dar, die kleinen Pfeile deuten an, dass im unteren Bereich nur sehr niedrige Fließgeschwindigkeiten auftreten.
Am Luitpoldsprudel werden somit oben Wässer aus der näheren Umgebung und jüngeren Alters, im tiefen Untergrund aus größerer Entfernung und damit höheren Alters angetroffen.
So benötigt das Wasser oft nur einige Tage, um in die obersten 10 Meter des Bodens einzusickern, jedoch schon mehrere Jahre, um in eine Tiefe von 100 Metern zu gelangen. Berücksichtigt man die 20 km Entfernung von der Rhön als Ursprungsgebiet bis zum Luitpoldsprudel, so ergibt sich für das Wasser des Zechsteins in ca. 500 m Tiefe ein Alter von etwa 10.000 Jahren (siehe Abbildung links unten).Neben dem Alter nimmt auch die Temperatur des Wassers zur Tiefe hin zu. Die Temperatur wird durch einen konstanten Wärmefluss infolge des Zerfalls radioaktiver Uran-, Thorium-, Zirkon- und Kalium-Isotope in sehr tiefen Erdschichten bestimmt. Dabei verläuft die Zunahme der Temperatur mehr oder minder linear und erhöht sich um etwa 2,7 bis 2,9 °C pro 100 m Tiefe. In den obersten 5-10 m wird aufgrund eines Wärmeaustausches mit der Atmosphäre eine Temperatur von etwa 9 °C gemessen, ein Wert, der hier einer mittleren Jahreslufttemperatur entspricht. Aufgrund der Temperaturzunahme zur Tiefe berechnet sich eine Tiefentemperatur in 1000 m von 38 °C.

Das Wasser des Luitpoldsprudels
Der Luitpoldsprudel wird, neben den Kurgartenquellen in Bad Kissingen und der Balthasar-Neumann-Quelle in Bad Bocklet, besonders wegen seiner geringeren Gesamtmineralisation als Heilwasser geschätzt. Seine Hauptinhaltsstoffe sind Natrium, Calcium, Chlorid, Sulfat und Hydrogencarbonat. Diese Mineralstoffe haben ihren Ursprung überwiegend in den Salinarschichten des Zechsteins.
Ein weiteres wesentliches Kriterium für die Heilquellencharakterisierung ist der Gehalt an freiem gelösten CO2, der den für Heilwässer geforderten Mindestwert von 1000 mg/l um über das Doppelte übersteigt. Als Ursprung des CO2’s werden die vulkanischen Aktivitäten der nahen Rhön angesehen.

Das gebräuchliche Tortendiagramm wurde eigens zur Darstellung komplexer chemischer Eigenschaften der Heilwässer in diesen neuen Typ umgewandelt.
Auch Vorgebildete und interessierte Laien können näher in die Materie einsteigen und sich detailliertes lokales Wissen aneignen.