Text aus Tafel: "Balthasar-Neumann-Quelle"

Die Grundlage des Kurbetriebes von Bad Bocklet bildet ein eisenhaltiger Säuerling (2.622 mg/l Kohlensäure), den der Aschacher Pfarrer Johann Georg Schöppner 1720 bei seinem sonntäglichen Spaziergang entdeckte. 1725 beauftragte der Würzburger Fürstbischof Franz von Hutten seinen Hofbaumeister Balthasar Neumann, die Quelle zu sichern und zu fassen. Dabei stieß man auf einen älteren Brunnenraum und Waffenfragmente. Unter Friedrich von Seinsheim errichtete der Hofbaumeister 1766 die ersten Kuranlagen, und 1786 entstand ein Kurgarten. 1787 war der frühklassizistische Brunnentempel mit seiner Inschrift „Für das Beste der leidenden Menschheit" fertig gestellt.
In der fast 300-jährigen Geschichte mussten die Quellfassungen siebenmal erneuert werden, da der aggressiven Kohlensäure und dem Druck des aufwallenden Wassers bisher kein Material langfristig gewachsen war.
Auch die vier Quellströme - Ludwigsquelle, Karlsquelle, Friedrichsquelle, Christophquelle - ließen sich nicht halten. Eine 100 m tiefe Bohrung, die 1947/48 niedergebracht wurde, vereinigte alle Quellströme unter dem Namen Stahlquelle.
In Erinnerung und Dank an den früheren Hofbaumeister gab Bad Bocklet 1965 seinem Heilwasser den Namen Balthasar-Neumann-Quelle.
"CO2-Gas-Lift"
Der "CO2-Gas-Lift"-Effekt ist ein hydrogeologischer Prozess, der im nordwestlichen Unterfranken aus zahlreichen Heilwasserbohrungen bekannt ist. Man versteht hierunter einen Vorgang, der in dieser Region tiefes Grundwasser über Hunderte von Metern bis nahe an die Erdoberfläche aufsteigen lässt. Erreicht eine Bohrung ein CO2-reiches Grundwasserstockwerk, entgast das gelöste Kohlendioxid, ähnlich wie es beim Öffnen einer warmen Mineralwasserflasche geschieht.
Dabei erniedrigt sich die Dichte des Wassers und „sprudelt“ nach oben.
Auch die artesische Balthasar-Neumann-Quelle enthält hohe Gehalte an gelöstem Kohlendioxid. Besonders deutlich wurde der "CO2-Gas-Lift"-Effekt während der Bohrarbeiten 1940/41, als ein heftiger Mineralwasser- und CO2-Gasausbruch erfolgte. Zugleich wurden durch das Bohrloch viele Gesteinsbrocken aus den stark zerklüfteten Buntsandsteinschichten herausgeschleudert.
Die Balthasar-Neumann-Quelle empfiehlt sich innerhalb der Saaletalquellen wegen seiner geringeren Mineralisation. Die Hauptinhaltsstoffe des Heilwassers sind Natrium, Calcium, Chlorid, Sulfat und Hydrogencarbonat. Zusätzlich zeichnet sich sein balneologisch wertbestimmender Charakter durch den hohen Gehalt an Eisen aus, der mit 21,8 mg/kg den geforderten Mindestwert von 10 mg/kg deutlich überschreitet.
Ein weiteres wesentliches Kriterium für die Heilquellencharakterisierung ist der Gehalt an freiem gelösten CO2: er liegt weit über das Doppelte des für Heilwässer geforderten Mindestwert von 1000 mg/l.
Bestandteile des Quellengases:
Kohlendioxid (CO2) 99,78 Vol.-%
Sauerstoff (O2) 0,05 Vol.-%
Stickstoff (N2) 0,16 Vol.-%
Methan (CH4) 0,01 Vol.-%
Summe: 100 Vol.-%
Fachbegriffe:
Oberer / Unterer Grundwasserleiter
gut durchlässiger Gesteinskörper mit Hohlräumen
für die Durchströmung des Grundwassers
Grundwasserhemmer
gering durchlässiger Gesteinskörper
Grundwassernichtleiter
fast undurchlässiger Gesteinskörper
Grundwasseroberfläche
„normaler“, freier Grundwasserspiegel
Grundwasserdruckfläche
Wasserspiegel, der hier durch die Entgasung
der Kohlensäure („C02-Gas-Lift“) erzeugt wird
Artesisches Grundwasser: die Grundwasserdruckfläche liegt über dem Gelände - das Grundwasser tritt frei an der Oberfläche aus

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